Rundschreiben

Montag, 26. Oktober 2020


Im Rundschreiben informieren wir zu folgenden Themen:

Aktuelles zum Markt
Landestag der Schweineproduktion thematisiert Zukunft der Investitionsförderung
VLV-Mästerinfoabende heuer via Internet mit zwei Terminen


1) Aktuelle szum Markt
Corona und ASP sind unangenehme Begleiter
2020 ist nichts für schwache Nerven. Wie in allen Gesellschaftsbereichen, so durchschreiten wir heuer auch im Schweinebereich ein Wechselbad der Gefühle. Hat uns die ASP im Frühjahr aufgrund der Verbreitung in Asien noch Hoffnung bereitet, so waren ab April negative Auswirkungen der Corona-Pandemie schlagend und seit Spätsommer belasten nun beide Virus-Szenarien unseren Markt. Einmal mehr wird deutlich, wie sehr die internationalen Verflechtungen der Märkte eine Rolle spielen und wie sehr Entwicklungen in Deutschland direkt und indirekt auf uns wirken. War es im Sommer die vierwöchige Betriebssperre vom größten deutschen Schlachtbetrieb Tönnies, so war es Anfang September abermals ein deutsches Ereignis, sprich erster ASP-Fall bei Wildschweinen, was zu erheblichen Verwerfungen am ganzen europäischen, ja sogar weltweiten Markt geführt hat.

In Geiselhaft mit Krisenherd Deutschland
Seit Juli prägen Schlachtschweineüberhänge das Bild in der BRD. Seit Mitte September ist man wegen Wildschweine-ASP zudem für den Export nach Asien gesperrt, was das Dilemma noch einmal drastisch verschärft. Damit wird akut und brisant, wovor viele schon lange Zeit gewarnt haben. 120 % Eigenproduktion führt zu einer Exportabhängigkeit, die im Krisenfall fatal ausgehen könnte. Genau an diesem Punkt ist nun Deutschland angelangt. Grundsätzlich könnte am Binnenmarkt, mit Ausnahme des Restriktionsgebietes in Brandenburg, Schweinefleisch am EU-Markt frei verkauft werden, doch es fehlen coronabedingt Arbeitskräfte, sodass nicht mehr, sondern immer weniger Schlachtkapazität zur Verfügung steht. Mit Ende Oktober wird von ca. einer Woche Überhang ausgegangen. Das heißt ca. 1 Million Schweine stehen bereits überschwer in den Stallungen.

Mengen- und Preisdruckwelle am Binnenmarkt
Bisher ist es uns gelungen ähnlich große Preiseeinbrüche wie in Deutschland von Österreich fernzuhalten. Auch wenn wir in der KW 39 ein Minus von 8 Cent hinnehmen mussten, während die BRD um 20 Cent korrigierte, bewegen wir uns seither auf dem stabil gehaltenen Niveau gegenüber Deutschland auf einem historisch hohen Preisabstand. Geht man von offiziellen Notierungen aus, so bewegt sich dieser bei ca. € 30,- je Durchschnittsschwein. Panikverkäufe werden dem Vernehmen nach noch deutlich billiger gehandelt.

Aktuelle Erfolgsfaktoren: Heimmarktverteidigung und Chinaexport
Jahrzehnte lange Bemühungen tragen jetzt Früchte. Die Tatsache, dass im Frischfleischbereich mit AMA-Gütesiegel und SUS bei Lebensmittelhandel und Gewerbe praktisch nur mehr 100 % heimische Ware unterwegs ist, ist ein Faktum. Unser Engagement bzgl. Herkunftskennzeichnung, auch bei Verarbeitungsware, gewinnt auch im LEH zunehmend an Bedeutung, wie auch das agrarpolitische Engagement im Großküchenbereich. Zweiter großer Meilenstein ist der Export, insbesondere nach China. Immer im Herbst besteht seitens China der größte Importbedarf. Nun macht es sich bezahlt, dass bereits 2015 ein eigenes Büro für veterinärpolizeiliche Exportabwicklung installiert wurde und seit 2019 auch tatsächlich fünf österreichische Schlachtbetriebe die Lizenz zur Ausfuhr Richtung Peking bekommen haben. Aktuell können wir bis zu 10 % unseres heimischen Schweineangebotes über dieses Ventil absetzen. Und wenn es uns in den nächsten Wochen gelingt, gemeinsam mit den österreichischen Veterinärbehörden eine erweiterte Exportlizenz für China zu erhalten, bei der es dann auch möglich wäre, das sogenannte fünfte Viertel (= Ohren, Schwänze, Rüssel, Innereien etc.) zusätzlich zu den bisher genehmigten Schlachtkörperteilen nach China liefern zu können, so würde diese zusätzliche Wertschöpfung ein willkommener Beitrag zur bestmöglichen Vermarktung unseres Schweinefleisches sein.

Corona überstehen und ASP-frei bleiben
Schlachthofsperren durch Eskalationen im Bereich Corona könnten genauso wie das Auftreten von ASP in Österreich diese positiven Aussichten zunichtemachen. Daher gilt es alles daranzusetzen, effektive Maßnahmen zur Verbesserung der Biosicherheit auf unseren heimischen Schweinebetrieben zur forcieren und umzusetzen. Jeder soll sich in seinem Bereich bemühen, zur Bewusstseinsbildung in der Öffentlichkeit beizutragen, sprich in den Bereichen Jagd, Tourismus, Saisonarbeit und Fernverkehr darauf einzuwirken, dass eine größtmögliche Vorsicht hinsichtlich ASP-Verschleppung angewendet wird.

2) Landestag der Schweineproduktion thematisiert u.a. ASP und Investitionsförderung
Trotz schwieriger Rahmenbedingungen veranstaltet auch heuer das Ländliche Fortbildungsinstitut (LFI) den Oberösterreichischen Schweinetag. Gerade in schwierigen Zeiten ist eine umfassende und fundierte Fachinformation hilfreich und wichtig. Die via Webinar abgehaltene Veranstaltung behandelt Vormittag zukünftige Herausforderungen im Bereich der NEC-Richtlinie sowie die spannenden Fragen wie zukünftig Stallbauinvestitionen gefördert werden. Am Abend steht unter anderem das zurzeit alles beherrschende Thema Afrikanische Schweinepest im Mittelpunkt der Ausführungen. Nähere Details entnehmen Sie bitte der Einladung, die als pdf-Datei zur Verfügung steht.

3) VLV-Mästerinfoabende heuer via Internet mit zwei Terminen
Leider können wir heuer wegen Corona unsere traditionellen Mäster-Infotage nicht in gewohnter Weise abhalten. Unserem Informationsbedürfnis folgend müssen wir auf das „virussichere“ Internet ausweichen. Marktentwicklungen und Schweinegesundheitsthemen stehen am Programm, sodass bei nachweislicher Teilnahme auch eine Stunde TGD-Weiterbildung angerechnet wird. Die Webinare werden wir am Dienstag, 17. und Montag, 23. November 2020 um jeweils 19.30 Uhr anbieten und schon jetzt um rege Teilnahme bitten. Genauere Details folgen rechtzeitig per Post und E-Mail. Die Verteilung der nützlichen Utensilien wie Stallkalender 2021, Lieferscheinblöcke, Farbe, Stempel etc. werden wir an den Annahmestellen der Maisproben zu gesonderten Terminen abwickeln. Auch dazu folgen Details im nächsten Rundschreiben.

ACHTUNG: Beim Schweineverladen bitte Maske tragen und gebotenen Abstand zum Chauffeur halten. Unsere Chauffeure bewegen sich permanent zwischen Bauernhof und Schlachthof und brauchen daher besonderen Schutz der nur in dieser Form gewährleistet werden kann.

 

Freundliche Grüße

Dr. Johann Schlederer - VLV-Geschäftsführer 
ÖR Erwin Hannl - VLV-Fachgruppenobmann
 

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