Autor: Johannes Gangl B.Sc.
Eine noch nie dagewesene Situation beherrscht im Moment jenen Teil der Landwirtschaft, dessen Produktionsverfahren sich im Segment der Veredelung – der Tierhaltung – bewegt. Die Verhältnisse am Schweinemarkt werden im folgenden Artikel veranschaulicht.
2025: Gebremster Marktverlauf bis in den Sommer – Absturz im Herbst
Mit einem Basispreis von 2,07 Euro im Sommer 2025 und 1,54 Euro zum Jahresende wurde im Durchschnitt das Vorjahresergebnis um 10,7 % verfehlt. Der gesamten Fleischbranche machten gleich mehrere Faktoren zu schaffen:
- Einerseits die Absatzschwierigkeiten durch fehlenden Drittlandexport aufgrund des MKS-Ausbruches im Frühjahr,
- andererseits das vorerst nasskalte Wetter und die darauffolgenden, überdurchschnittlich hohen Temperaturen. Sie machten der Hauptgrillsaison einen Strich durch die Rechnung.
- Der im Vergleich zum Dollar harte Euro oder die Zollpolitik der USA.
- Die erheblichen Folgen für den Export und somit sich anstauende Mengen am EU-Binnenmarkt,
- sowie gegen Jahresende stark spürbare Fleischmengen durch den ASP-Ausbruch in Spanien.
All diese Parameter hemmten die Preisentwicklung für Schlachtschweine.
Ein Preisrückgang von 15 Cent/kg Schlachtgewicht ab Anfang Jänner war die Folge. Tatsächlich erreichte man sogar eine Woche früher als im Jahr zuvor eine Bereinigung des Marktes.
Verhaltene Prognosen
Erleichtert, die Übermengen verarbeitet zu haben, blickte man gespannt auf die darauffolgenden vier Wochen, in welchen jeweils ein Anheben der Notierungen zu verbuchen war. In Österreich fiel die Wochenschlachtmenge erstmals seit fünf Wochen unter 90.000 Stück auf 89.300 Schweine in der KW 8. Die abnehmende Anzahl an schlachtreifen Partien sowie ein zunehmendes Kaufinteresse der Abnehmer waren maßgebliche Gründe, warum der Verlauf der Preiskurve besser verlief als anfangs angenommen.
Es kommt meistens anders, als man denkt
Kurz vor Ostern stagnierte die Entwicklung. Die Feiertage im darauffolgenden April und Mai konnten die gewünschten Impulse nicht erbringen und somit blieb der Fleischmarkt unbelebt. Regionale Unterschiede in der Schweineanmeldung in ganz Europa verhinderten mehrmals, dass die Preisentwicklung wieder Fahrt aufnimmt. Diese Umstände vereitelten de facto das Durchbrechen der Osterflaute, die sich bis zu Christi Himmelfahrt hinzog. Zwar brachten die vergangenen Wochenenden Verbesserungen, deren Intensität reichte jedoch nicht aus, um die Gesamtsituation maßgeblich zu ändern. Für das in die Gänge kommende Grillgeschäft wurde stellenweise Ware aus gut gefüllten TK-Lagern verwendet. Ein Preisabsturz, der durch ganz Europa führte, war die Folge. Österreich kam aufgrund geringer Anmeldemengen für KW 19 mit -4 Cent glimpflich davon.
Die Erwartung auf Änderungen im Inlandsverbrauch durch steigende Grillaktivität verlagerte sich zunehmend auf die Vorschau in Richtung Pfingsten und Fronleichnam. Ab der KW 23 war es schließlich mit den Feiertagen vorbei. Ein Normalbetrieb auf den Schlachthöfen ließ Hoffnung auf Entspannung am Markt keimen.
Ausbleibende Marktbelebung und internationale Verkettung
In Österreich wurde deutlich, wie eng man doch im europäischen Gefüge miteinander verwoben ist. Anziehendes Fleischgeschäft einerseits sowie Exportöffnungen andererseits sind Chancen für das Geschäft mit Schweinefleisch. Nach sieben Jahren können beispielsweise deutsche Schweinefleischexporte wieder auf den philippinischen Markt gelangen. Beim Export in Drittstaaten konkurriert man jedoch mit allen exportierenden Ländern. Somit unterliegt diese Entwicklung auch den Angebots- und Nachfrageverhältnissen. Ein „Big Player“ in dieser Causa ist China. Die Volksrepublik steigerte ihre Produktion im Vergleich zum ersten Quartal 2025 um 4,2 %. Mit dem Anstieg des inländischen Angebots sanken die Schweinefleischimporte bis Ende März um 35 %. Der starke Rückgang der chinesischen Importe hat die Exporte in den großen produzierenden Ländern geschwächt. Auch für die EU hatte diese Entwicklung einschneidende Auswirkungen. Tatsächlich ist der Rückgang der chinesischen Importe seit 2025 ein wesentlicher Faktor für den Preisverfall in der EU.
In Brasilien schwächt die Inlandsnachfrage aufgrund von Veränderungen in den Ernährungsgewohnheiten sowie die hinkende Konjunktur zusätzlich den Markt. Summa summarum treffen die genannten Einflussfaktoren die größten Erzeugernationen momentan gleichzeitig. Stetig sinkende Preise sind die Folge. Am Weltmarkt setzt sich, ungeachtet der jeweiligen Produktionskosten in den einzelnen Ländern, eine Spirale des Unterbietens in Gang, die den Export ins Stocken geraten lässt und auch vor Österreich nicht Halt macht.
In Österreich befindet man sich momentan in der Verdauungsphase jener Ereignisse, welche seit dem vergangenen Jahr der Branche widerfahren sind. Tatsächlich gab es, basierend auf Durchschnittswerte im heurigen Jahr, genau eine Woche, in der eine Vollkostendeckung erreicht wurde. Gerade im Hinblick auf kommende Investitionen, für die sich die heimischen Schweinebauern rüsten müssen, wäre es vorrangiges Ziel, Rücklagen zu schaffen, um zukünftige gesetzliche Anforderungen zeitnah in die Realität umsetzen zu können. Preisstürze wie am 10. Juni um -10 Cent bewirken ein weiteres Abrutschen in rote Zahlen und helfen motivationstechnisch nicht weiter.
Aktuell liegt der Basispreis/kg Schlachtgewicht bei 1,52 Euro
Zu facettenreich ist die Faktorenlandschaft, auf die der Markt mittlerweile reagiert, sodass eines gewiss ist: „Nur wer in der Produktion auch in schwierigen Phasen permanent versucht, die Leistung zu halten, wird, sobald sich das Blatt wendet, auch in ertragreichen Zeiten bei den Ersten sein, die die Ernte einfahren!“
