Autor: Franz Strasser ABL
Bei der Durchsicht der Soja- bzw. Konzentratrechnung stehen vielen Schweinebauern die Haare zu Berge. Obwohl Getreide Mais seit der Ernte 23 um ca. 30% billiger geworden ist, bleibt die Eiweißquelle teuer. Laut Marktexperten ist das Angebot in den Hauptproduktionsländer Nord und Südamerika ausreichend, sodass für diese Entwicklung der Zwischenhandel und die Preisspekulation an den Börsen hauptverantwortlich gemacht werden dürfen.
Diese Erkenntnis hilft aber niemanden. Helfen muss sich ein jeder selbst. Franz Strasser, Fachberater an der Beratungsstelle für Schweinehaltung in Wels ist der Sache nachgegangen, wie Bauern auf die hohen Sojapreise reagieren und was Fachexperten empfehlen.
Weniger teure Sojakomponente füttern
Es ist eine Grundreaktion eines jeden Einzelnen: was nichts kostet ist nichts wert – oder anders ausgedrückt: was teuer ist wird gespart. Das beim Sojaeinsatz eingespart werden kann haben unzähliger Wissenschaftler in Versuchen bestätigt und wurden auch im VÖS abgedruckt ( Ausgabe 1/23 Mastschweine bedarfsgerecht, kosten und umweltschonend füttern)
Wie radikal sparen jetzt erfolgreiche Schweinemäster?
Klaus Grimmer aus Mehrnbach füttert 3 phasig eine maisbetonte Rezeptur (50 – 60%) mit Zukaufkonzentrat. Gestartet wird mit einem Futter mit 166 g verdaulichem Eiweiß und 11,9 g Lysin. Bei 60 kg wird auf 156 g v. Eiweiß und 10,3 g Lysin abgesenkt, bei 90 kg wird mit 145g v. Eiweiß und 9,2 Lysin. Der Energiegehalt des Futters liegt zwischen 13,6 – 13,75 MJ ME je 88% TS. Die Mastleistungen können sich sehen lassen: 950 g tägl. Zunahmen bei 59,5% MFA. Die Ausfälle liegen < 1%.
Das Konzentrat ist eine Sondermischung. Damit diese Leistungen bei sparsamer Eiweißversorgung erzielt werden können fußt auf folgenden Grundlagen:
- Top Gesundheit: eine hohen Fleischansatz können nur Tiere erreichen, die gesund sind. Eine Ferkelherkunft und eine guter Austausch mit dem Ferkelerzeuger auf Augenhöhe ist das Fundament dafür
- Hoher Standard beim Futter: Mais wird im Ganzkornsilo gelagert und laufend mit CO2 aus einem Flaschendepot versorgt. So ist eine konstante Qualität sogar bis zur Entnahme des letzten kg Ganzkornmaises gewährleistet. Gerste und Weizen wird gereinigt, belüftet und umgezogen
- Futtermitteluntersuchung: Wer die Rezeptur knapp zusammensetzt muss wissen, was die Komponenten enthalten. Mit mehrmalige Analysen im Jahr kann auf die Unter-schiede in den Komponenten Rücksicht genommen werden. Die Analysen werden über die VLV Schweinebörse bzw. über die zuliefernde Futtermittelfirma organisiert.
- Guter Austausch mit dem Futtermittelieferanten. Gerade beim Bezug von Konzentraten muss der Futtermittellieferant noch genauer eingebunden werden. Eine längerfristige Liefervereinbarung festigt die Partnerschaft und den Erfolg. Die Rezepturen des Futtermittellieferanten werden immer von einem unabhängigen Fütterungsberater der BSH Herrn Ing. Hannes Priller nachgerechnet.
- Mast und Schlachtleistungen genau analysieren. Nur Daten, die auf den Tisch gelegt werden sind belastbar und helfen weiter. Die VLV Schweinebörse liefert eine Partieauswertung, eine Verkaufsübersicht und eine graphischen Darstellung im Vergleich zum VLV Durschnitt.
RES mit Erfolg einsetzen
Ein anderer Schweinemäster mit langjähriger Erfahrung setzt auch als Haupftfutterbasis auf die Maiskornsilage. Bei den Eiweißträgern ist er aber sehr variabel – er folgt dem Grundsatz: was ist gut und günstig.
Auch er stimmt seine Rezepturen eng mit dem Fütterungsberater der BSH Wels, Herrn Ing. Hannes Priller ab. Gerade in der Endmast kann Soja gespart werden. Deiser hat gute Erfahrungen mit dem Einsatz von RES (Rapsextraktionsschrot). Gerade in Kombination mit Maiskornsilage gibt es auch keine Probleme mit der Fresslust. RES ist für ihn nicht nur Eiweiß sondern auch Rohfaserträger. Die Vormastrezeptur enthält 8% RES bei 88% TS mit einem Lys : MJ Verhältnis von 0,85 : 1; in der Endmastration bei 90 kg Lebendgewicht 12% RES mit eine Lys : MJ Verhältnis von 0,69 : 1. In der Mittelmast bei 60 – 90 kg liegt das Lys : ME Verhältnis bei 0,76 : 1. Die Rohproteingehalte sinken somit von 162 g auf 150 g in der Mittelmast bis auf 140g in der Endmast.